
Wie schön wäre es, wenn wir auf ein Smartphone, den schlimmsten Stressmacher aller Zeiten, verzichten könnten? Aber es geht nicht! Sie können sich dem Smartphone nicht mehr entziehen. Es wird gebraucht, um sich bei seinem Bankkonto anzumelden, ohne die Bank-App können Sie keine Überweisung mehr machen, sie können z.B. mit Ryan Air nicht mehr fliegen, sie brauchen Google Maps, weil es keine anderen Navigationssysteme mehr gibt … und so weiter und so weiter. Auch auf WhatsApp oder einen anderen Messenger können Sie nicht mehr verzichten, da Sie ansonsten den Kontakt zu 90% Ihrer Freunde und Bekannten verlieren.
Ein sehr lieber Kunde von mir, als ich noch meinen Verlag hatte, versprach mir, eine recht ansehnliche Rechnung sofort zu bezahlen. Als das Geld auch fast zwei Wochen später immer noch nicht auf meinem Konto war, habe ich höflich nachgefragt. Der Kunde erschrak und versicherte mir, dass er das Überweisungsformular noch am gleichen Tag, wie versprochen bei der Bankfiliale eingeworfen hätte. Es stellte sich heraus, dass die Bank, nein, das ist kein Fake, den Briefkasten der Filiale nur noch einmal die Woche leerte und den Inhalt dann in die Hauptstelle verbrachte, und zwar immer freitags. Mein Kunde hatte den Überweisungsbeleg am Samstag früh eingeworfen. Dort lag er dann bis zum nächsten Freitagnachmittag. Da die Bankangestellten am Wochenende natürlich nicht arbeiten, wurde der Überweisungsträger also erst am Montag zur Kenntnis genommen und dann erst am Mittwoch (lt. Wertstellung) bearbeitet. So kann es also gehen.
Mein Kunde (80 Jahre alt) entschuldigte sich bei mir und meinte nur noch mit resignierter Stimme: „Ich habe noch ein altes Handy und wollte eigentlich kein Smartphone. Aber ich habe jetzt meinen Sohn gebeten, mir ein solches zu besorgen und mir am heimischen PC und am neuen Smartphone das Online-Banking einzurichten.“
Ein wenig traurig und resigniert meinte er nur noch:
„Was passiert eigentlich, wenn das Internet einmal komplett ausfällt?“
Ich antwortete sarkastisch:
„Entweder geht die Welt unter oder die Menschen überlegen sich, wie sie sich aus der Umarmung von künstlicher Intelligenz und denkenden Maschinen wieder befreien können.“
Mit lieben Grüßen aus meiner Wahlheimat SpanienIhr Rainer Andreas Seemann