
Wir haben Prozente bekommen
Liebe Leserinnen und Leser, kennen Sie diese Jubelschreie von Ihren Bekannten? Wir haben Prozente bekommen!
Man hört es immer wieder mal von Bekannten:
„Wir haben neue Möbel gekauft. Es war sagenhaft, wie viele Prozente wir bekommen konnten.“
Na ja, die Werbung im Radio ist tatsächlich vielversprechend. Wir wetten immer, wer in dieser Woche das höchste Prozentangebot abgibt. 20 oder 25 % sind normal. Manchmal gibt es obendrein die „Mehrwertsteuer geschenkt“, obwohl jedem klar sein müsste, dass kein Möbelhaus die Mehrwertsteuer verschenken kann.
Auch Möbelhäuser müssen Geld verdienen
Das Finanzamt hätte da sicher einiges dagegen. Es ist also ein Zusatzrabatt. Erst gehen die 25% runter und dann gibt es auf den verbleibenden Preis nochmals 19%. Da sind dann trotzdem noch 19% Mehrwertsteuer enthalten, die das Möbelhaus (abzüglich Vorsteuer) an das Finanzamt abführen muss. Soweit also alles klar, oder? Den Vogel abgeschossen in dieser Woche hat aber ein Möbelhaus in Bayern, das bis zu 70% Rabatt auf einzelne Stücke angeboten hat. Klar, das sind dann die Super-Ladenhüter, die man schon durch drei Inventuren durchgezogen hat. Ich bin sicher, dass es auch dafür Käufer gibt, die den Schrank zwar hässlich finden, aber wann bekommt man schon einmal 70%?
Nachdenken sollte helfen
Eigentlich müsste jedem, der noch ein wenig nachdenken kann und dem die „Prozente“ nicht ganz das Hirn vernebelt haben, klar sein, dass kein Einzelhändler auf Dauer solche Rabatte geben kann, ohne dann schnell in die Insolvenz zu rutschen. Also muss er (der Einzelhändler) den „Rabatt“ zuvor aufgeschlagen haben.
Ich stelle mir gerade vor, wie der Chef des Hauses kalkuliert:
„Also, die Couch kostet uns im Einkauf 200 Euro. Da schlagen wir dann 200% drauf, dann ist unser Normalpreis 600 Euro. Danach geben wir 25% Rabatt, ergibt 450 Euro. Und die Inhaber unserer Kundenkarte bekommen nochmal 5% extra, die zahlen dann nur 427,50 und wir verdienen wieder einmal saumäßig gut.“
Wissen Sie, warum das so gut funktioniert? Weil Sie im Möbel-, Schmuck- oder Teppichhandel oft keine Möglichkeit haben, die wirklichen Preise zu vergleichen. Als Kunde können Sie nur die Höhe der Nachlässe checken. Da gewinnt dann halt der, der in dieser Woche 25% auf alles + „die Mehrwertsteuer geschenkt“ und für alle Inhaber der Kundenkarte oder der Firmen-App noch einmal 5% gibt.
Einfachste Kalkulationen
Seien Sie versichert: Das Möbelhaus macht immer noch fette Gewinne. Ein früherer Freund von mir hatte ein Schmuckgeschäft in einer süddeutschen Stadt. Er hat mir immer gesagt, dass die besten Verdienstmöglichkeiten Rabattaktionen sind.
„Du haust erst mal 50% auf den Normalpreis drauf und gibst dann 20% Rabatt. Die Kunden freuen sich und ich mich auch.“
Beliebte Branchen für derartige Kalkulationen sind:
- Möbelhäuser
- Juweliere
- und Teppichhändler
Seien Sie also wachsam!
Mit lieben Grüßen aus meiner Wahlheimat SpanienIhr Rainer Andreas Seemann