König Wilhelm II. von Württemberg

König Wilhelm II. von Württemberg
König Wilhelm II. von Württemberg, auf einer offiziellen Porträtfotografie von Theodor Andersen (1892)

König Wilhelm II. von Württemberg

Liebe Leserinnen und Leser, ich berichte heute von König Wilhelm II. von Württemberg,

Wenn man diesen, vom Volk geliebten König, mit den heutigen Staatslenkern vergleicht, kommen einem die Tränen. König Wilhelm II. (geb. am 25. Februar 1848 in Stuttgart; gest. am 2. Oktober 1921 in Bebenhausen) konnte ohne jeden Begleitschutz mit seinen zwei Hunden (deutsche Spitze) durch Stuttgart laufen. Er wurde von den Bürgern freundlich mit „Grüß Gott Herr König“ begrüßt und grüßte zurück, indem er seinen Hut zog. Für die Kinder hatte er immer ein paar Süßigkeiten in seiner Tasche, die er gerne verteilte und den Kindern dabei über den Kopf streichelte. Die Kinder wussten das und gingen ohne Angst von sich aus auf den König zu und fragten: “ „Keenich, hoscht mer nex?“ – Was sagen soll: „König, hast Du nichts für mich?“

Ein König, der sich nicht vor dem Volk versteckte

An den Sonntagen, so wussten meine beiden Großeltern zu berichten, die den König noch persönlich kannten, ging er immer auf dem Kanonenweg in Stuttgart spazieren, der heutigen Haußmannstraße. Die Bürger wussten das und viele taten es ihm nach.

Es gibt auch heute noch viele Geschichten und Anekdoten aus dieser Zeit, die ich als Kind natürlich aus erster Hand von meinen Großeltern Oma Betty und Opa Philipp erzählt bekam.

Er liebte seine Untertanen und sie liebten ihn

Eine ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Einmal, als der König wie so oft durch die Königstraße schlenderte, sah er einen Bettler am Straßenrand sitzen. Er ging auf ihn zu und fragte ihn, warum er betteln müsste. Der Bettler tat so, als würde er seinen König nicht kennen und erzählte irgendeine Geschichte, wie er, natürlich völlig ohne eigenes Zutun, verarmt war. Da fragte ihn der König: „Und wenn ich Dir jetzt zwei Mark gebe, was machst Du dann?“ Der Bettler sagte ohne Umschweife: „Dann gehe ich jetzt gleich in den nächsten Bierausschank und trinke eine oder zwei halbe Bier auf das Wohl meines Königs!“ Der König schmunzelte, gab dem Bettler die versprochenen zwei Mark, die damals für sehr viel mehr als zwei Halbe reichten und ging weiter.

Mein Opa kommentierte das Geschehen dann so: „Der Bettler war ein Lompaseckel (gesteigerte Version eines Lumpen oder Gauners). Der hat genau gewusst, dass er mit dem König redet.“

Und ich glaube, der König hat es auch gewusst.

Könnte Friedrich Merz heute noch ohne Bodyguards durch die Straßen schlendern?

Stellen Sie sich das heute einmal vor. Könnte ein Friedrich Merz oder irgendein anderer Spitzenpolitiker heute ohne seine Bodyguards in der Stadt spazieren gehen? Er käme wohl keine zehn Meter weit.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs traf König Wilhelm II. schwer. Mit Tränen in den Augen verabschiedete er seine Truppen in Stuttgart. Wäre es nach ihm gegangen, hätte dieser Krieg niemals stattgefunden.

Auch hier lohnt sich der Vergleich mit den heutigen, kriegsgeilen Politikern. Sie können es gar nicht erwarten, deutsche Soldaten in die Ukraine zu schicken. Und das, obwohl sie genau wissen, dass dies einen dritten Weltkrieg auslösen kann.

Nachdem der erste Weltkrieg verloren war, dankte Wilhelm II. ab und verbrachte seine letzten Lebensjahre zurückgezogen in seinem Jagdschloss in Bebenhausen.

Mit lieben Grüßen aus meiner Wahlheimat Spanien
Ihr Rainer Andreas Seemann

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