Merz sitzt im Elfenbeinturm

Bild: Von Stenbocki maja from Estonia https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=195507002
Liebe Leserinnen und Leser, der deutsche Kanzler Merz sitzt im Elfenbeinturm, den er sich selbst erbaut hat.
Der Elfenbeinturm ist eine Metapher für einen Zustand oder Ort der geistigen Abgeschiedenheit. Er beschreibt Menschen – oft Wissenschaftler, Künstler, Politiker oder Intellektuelle –, die sich von der realen Welt und den Problemen der Gesellschaft abgrenzen, um fernab der Praxis nur für ihre Ideen zu leben. Heute hat der Begriff meist einen abfälligen Beigeschmack.
Wir wissen was gut für das Land ist
Wie abgehoben, wie weit von der Realität entfernt ist der deutsche Kanzler? Mit Blick auf die teils massive Kritik aus Wirtschaft, Opposition und auch aus den eigenen Reihen, etwa von Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU), sagte Merz: „Die Bundesregierung lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen, wir wissen, was richtig und gut ist für das Land. Da lassen wir uns nicht beirren.“
Kretschmer hatte angekündigt, der geplanten Renten- und Pflegereform im Bundesrat nicht zustimmen zu wollen.
Die Reformen wurden bereits vor der Sommerpause beschlossen
Dennoch ist es mehr als fraglich, ob sie auch tatsächlich umgesetzt werden können. Denn der Streit innerhalb der Koalition und sogar innerhalb der Union ist noch längst nicht geschlichtet. Die Stimmen in der CDU mehren sich, die den Kanzler loswerden wollen. Es sind Gedankenspiele bekannt geworden, ob Kanzler Merz durch einen anderen Politiker ersetzt werden könnte. Würde das die Zustimmung für CDU/CSU erhöhen? Eine Umfrage ergibt eine Tendenz.
Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung glaubt nicht an einen Erfolg
Eine knappe Mehrheit der Deutschen glaubt einer Umfrage zufolge nicht, dass die Union mehr Zustimmung bei den Wählern hätte, wenn jemand anderes als Friedrich Merz (CDU) Kanzler wäre. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag von „Stern“ und RTL bejahten 41 Prozent der Befragten, dass es der Union helfen würde, wenn Merz das Amt des Bundeskanzlers aufgeben und jemand anderes aus der Union Bundeskanzler werden würde. 53 Prozent glauben das aber nicht.
Auch von den Anhängern der CDU/CSU erwarten 42 Prozent, dass ihre Partei mit einem anderen Kanzler aus ihren Reihen größere Chancen auf bessere Zustimmungswerte bei den Wählern hätte als mit Merz. 56 Prozent sind dagegen skeptisch.
Mal ganz ehrlich. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser jetzt an der Stelle von Herrn Merz wären, würden Sie, wie er, am Kanzlersessel kleben? Ich kann nur für mich eine Antwort geben. Ich würde zurücktreten.
Kein Kanzler vor ihm war jemals so unbeliebt wie Merz
Aktuelle Umfragen zeigen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer Unzufriedenheit von bis zu 85 Prozent (gemäß dem RTL/ntv Trendbarometer) historische Tiefstwerte in der Geschichte der Bundesrepublik erreicht und damit in dieser Phase unpopulärer ist als je ein Kanzler vor ihm in vergleichbaren Erhebungen.
Ich gehe davon aus, dass bei einem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt, Herr Merz seinen Hut nehmen muss. Und ich denke, dass sich in der Union die Kräfte durchsetzen werden, die die Brandmauer „entschärfen“ oder sogar abreißen. Es ist doch vollkommen unsinnig einen wirklich guten Reformvorschlag nur deswegen nicht umzusetzen, weil er von der AfD kommt. Sollte Deutschland und sein erneuter Aufstieg aus dem Tal der Tränen nicht wichtiger sein als kindisches Geplänkel?
Warten wir es ab!
Mit lieben Grüßen aus meiner Wahlheimat SpanienIhr Rainer Andreas Seemann