Sind auch Sie ein NAZI? Woran Linke den neuen Nazi erkennen

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Liebe Leserinnen und Leser,
Jan Fleischhauer fragt sich in der Focus-Online Ausgabe vom 15,08.2026, ob Sie auch zu den Verdächtigen zählen. Aus harmlosen Äußerlichkeiten werden plötzlich politische Beweise gemacht. Ich hatte zu diesem Thema vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, als Erzieherinnen in einem Merkblatt Hinweise für ihre Kolleginnen und Kollegen gaben, woran man „rechte NAZI-Familien“ erkennen könne. Nun kommt, Jan Fleischhauer sei Dank, dieses irre Thema wieder einmal auf den Tisch. Er stellt die Frage:
„Woher weiß man, dass jemand rechts ist?“
„Er trägt Seitenscheitel, Polohemd, wohnt in der Doppelhaushälfte. Und er sehnt sich nach den Neunzigern zurück, als Helmut Kohl regierte.“
Der AfD-Kandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat gesagt, er wünsche sich die neunziger Jahre zurück. Damals sei es in Deutschland sicherer gewesen.
„Ich kenne eine ganze Reihe Menschen, die finden, dass einiges früher besser war. Messerdelikte zum Beispiel waren so gut wie unbekannt. Man brauchte auch keine Sperranlagen, um Weihnachtsmärkte zu schützen. Wenn man in der Zeitung las, dass jemand mit dem Auto von der Straße abgekommen und in eine Gruppe von Menschen gefahren war, musste es sich um ein Unglück handeln. Der Fahrer hatte entweder einen Herzinfarkt oder einen epileptischen Anfall erlitten. Dass er gezielt sein Auto in die Menge gesteuert haben könnte, darauf wäre man nicht gekommen“, so Jan Fleischhauer.
Und recht hat er. Man konnte seine Kinder gefahrlos ins Freibad schicken, in den Schulen wurde nicht über die angeblich vorhandenen diversen Geschlechter geredet, sondern rechnen und schreiben gelehrt. Wer sein Abitur machte, konnte stolz sein, etwas gelernt zu haben. Heute werden die Abiturprüfungen vereinfacht, dass auch der letzte Blödel im Falle des Falles irgendwie noch einen Schulabschluss schafft.
Soziologin nennt die Neunziger den absoluten Horror
Es gäbe also eine Reihe von Gründen, Herrn Siegmund zuzustimmen. Dennoch wird ihm der Satz zum Vorwurf gemacht. Das ARD-Politmagazin „Monitor“ hat einen eigenen Beitrag gebracht, in dem die Redakteure darzulegen versuchen, weshalb sein Wunsch nicht nur falsch ist, sondern Ausdruck einer rechten Gesinnung und damit gefährlich. In dem Beitrag präsentierte das Magazin eine junge, schwarze Soziologin, die darüber sprach, weshalb die neunziger Jahre der absolute Horror gewesen seien. Es habe keinen Moment gegeben, in dem sie sich nicht bedroht gefühlt habe. Die Neunziger seien eine Zeit von Hetzjagden, Pogromen und Morden gewesen, hieß es bei „Monitor“.
Jeder hat so seine Erinnerungen. Es wird auch Menschen geben, die sogar die sechziger Jahre als Zumutung empfanden. Dennoch denken die meisten, wenn sie zurückblicken, eher an Swinging Sixties als an Baseballschläger.
Aber zurück zum Thema
Tracht, Zöpfe, Seitenscheitel gelten mancherorts schon als verdächtig. Fleischhauer hat aus Spaß einmal zusammengetragen, was alles als Hinweis auf eine rechte Gesinnung gilt:
Tracht. Zöpfe bei kleinen Mädchen. Seitenscheitel. Rüdes Verhalten. Zu höfliches Verhalten (Sie mögen lachen, aber das war original die Antwort der Linkspartei-Politikerin Susanne Hennig-Wellsow auf die Frage, woran man einen Nazi erkennt: übertriebene Freundlichkeit). Dickmilch statt Kefir. Okay, das Letzte habe ich mir ausgedacht. Aber es liegt auf der Linie.
Habe ich etwas vergessen? Ach ja, Doppelhaushälfte natürlich. Capri-Sonne trinken. Im Wanderverein sein.
Ich hatte, ebenso wie Jan Fleischauer, Glück. Meine Tochter trug keine Zöpfe, mein Sohn war ein sehr lebhaftes Kind und hatte eine recht große Klappe. Ich wurde also nicht erkannt! Puhh …
Mit lieben Grüßen aus meiner Wahlheimat Spanien
Ihr Rainer Andreas Seemann