Wie schnell wird man Antisemit?

Verfassungsschutz: Du hast „Ostküste“ gesagt, du Antisemit!
Wie definiert der Verfassungsschutz Antisemitismus? Erfahren Sie es hier.

Liebe Leserinnen und Leser,

Manchmal hat man das Gefühl, dass Deutschland zu einem Tollhaus verkommt oder vielleicht sogar bereits eines geworden ist. In einer neuen Broschüre warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz vor versteckten Botschaften, die sich in „antisemitischen Codes und Chiffren“ verbergen würden. Die Auswahl der angeblich antisemitischen Begriffe, deren Nutzung der deutsche Inlandsgeheimdienst gerne aus den Debatten verbannen will, sowie die jeweiligen Erläuterungen dazu müssen als bizarr bezeichnet werden. Das ist eine indirekte Form der Zensur.

Die Liste der verdächtigen Begriffe zeigt die Verblödung derer, die sie verfasst haben

Wenn man sich die Liste der sogenannten „verdächtigen Begriffe anschaut, fragt man sich schon, ob die Damen und Herren Agenten beim Verfassungsschutz nicht doch besser ihrer eigentlichen Aufgabe nachgehen sollten, statt sich immer weitere Hirngespinste auszudenken. Es gab schon einmal eine ähnliche Geschichte, als es um „verbotene Autokennzeichen“ ging. Danach wären dann alle Hamburger NAZIS, denn die verwenden das Autokennzeichen „HH“, was demnach für „Heil Hitler“ stehen würde.

Nun also weitere „verbotene Begriffe“. Passen Sier ja auf, was Sie sagen. Man wird schnell zum Antisemiten! Und möglicherweise klingelt dann plötzlich morgens um 6.00 Uhr die Polizei bei Ihnen.

Hier ein Auszug aus der Liste des Wahnsinns:

  • Globalisten: Dieser Begriff steht häufig für eine angebliche kosmopolitische Elite, die keine Bindung (mehr) an ihr eigenes Vaterland, dessen Kultur oder Traditionen habe. Ihr wird unterstellt, nationale Souveränität zugunsten internationaler Organisationen zu untergraben, um geheime menschenfeindliche Pläne global voranzutreiben.
  • Hochfinanz/BlackRock: Begriffe und Namen wie diese fungieren oft als antisemitische Codes, die das Narrativ einer ‚jüdischen Weltfinanzkontrolle’ bedienen und das Bild eines geheimen, staatenmanipulierenden Zirkels zeichnen.
  • Larry Fink: er Name dient als personifizierter Code für die ‚jüdische Finanzmacht‘. Er ersetzt und ergänzt Namen wie Rothschild oder Soros (siehe Kapitel 2.2). So werden antisemitische Vorurteile einfach auf weitere Akteure übertragen.
  • Wall Street: Während der Begriff eigentlich das Finanzviertel in New York (USA) beschreibt, wird er in antisemitischen Kreisen als Synonym für ein ‚wurzelloses‘, internationales ‚Finanzjudentum‘ genutzt. Er dient dazu, den Kapitalismus als eine fremde, feindselige Macht darzustellen, die gegen die Interessen der jeweiligen nationalen Gemeinschaft agiere.
  • Großkapitalisten: Dieser Begriff wird genutzt, um eine künstliche Trennung zwischen dem ‚schaffenden‘ (einheimischen) und dem ‚raffenden’ (angeblich jüdischen) Kapital zu ziehen. Damit wird das Feindbild eines gierigen Ausbeuters gezeichnet, der keine Loyalität zu ‚Volk und Nation‘ besitze.
  • Ostküste: Dieser Begriff ist ein geografischer Verweis auf den angeblich jüdisch kontrollierten Finanzstandort New York sowie auf Jüdinnen und Juden im Allgemeinen.
Ich lebe an der Ostküste Spaniens. Bin ich deswegen ein Antisemit?

Ich muss gestehen, ich bin wohl ein Antisemit, denn mein Wohnsitz liegt an der Ostküste Spaniens und ich benutze diesen Ausdruck in der Tat des Öfteren. Es gibt noch zahlreiche weitere Begriffe, deren Auswahl und Definition als „antisemitischer Code“ einfach nur grotesk ist.

Ich zitiere hier den Journalisten Tobias Riegel von den „Nachdenkseiten„. Er schreibt zum Thema:

Lieber Verfassungsschutz: Sind eigentlich alle Banker an der US-Ostküste Juden?

Es wird manchmal behauptet, antisemitische „Codes“ müssten sich gar nicht direkt gegen Juden richten, um antisemitisch zu wirken. Als Beleg für diese These wird vom BfV etwa die Thematisierung des Namens „Rockefeller“ ins Feld geführt. Obwohl die Familie keine jüdischen Wurzeln habe, werde ihr Name aufgrund ihres enormen wirtschaftlichen Einflusses oft mit den Rothschilds gleichgesetzt. Solche Personalisierungen fungieren laut BfV „als Chiffren, die über die konkreten und realen Personen hinaus das Judentum im Allgemeinen als vermeintlich geheime, globale ‚Finanzelite‘ markieren“.

Also, meine lieben Leserinnen und Leser, fragen Sie mich bitte nicht nach meinem Wohnort. Ich müsste sagen, dass er an der „Ostküste“ Spaniens liegt und bekäme dann womöglich eine Akte beim Verfassungsschutz. Aber vielleicht habe ich ja schon lange eine. Wer weiß das schon?

Auf jeden Fall muss unser Inlandsgeheimdienst dringen reformiert werden und dazu gehört, dass er keinen Weisungen der jeweils regierenden Politiker unterstellt werden darf. Er muss unabhängig sein!

Mit lieben Grüßen aus meiner Wahlheimat Spanien
Ihr Rainer Andreas Seemann

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