Deutschland im woken Würgegriff

Bild: anonymousenews.org
Liebe Leserinnen und Leser, „Deutschland im woken Würgegriff“, so lautet meine heutige Überschrift und lässt mich fassungslos zurück. Wie weit ist Deutschland gesunken, dass es sich von einer dummdreisten Minderheit dermaßen in den sprachlichen Würgegriff nehmen lässt? Männer mögen es blutig, Frauen rosa und „Memmen“ durchgebraten. Weil ein Wirtepaar seine Gerichte mit frechen Sprüchen versieht, überziehen woke, durchgeknallte Puritaner das Kult-Lokal „Fränkis Hütte“ am Möhnesee mit schlechten Bewertungen und überregionalen Schlagzeilen!
Thomas Hartung geht in einem Artikel, den ich hier verkürzt weitergebe, auf diesen Shitstorm von durchgeknallten, woken Sprachpolizisten ein und spricht uneingeschränkt die Wahrheit über die Schieflage Deutschlands aus. Es ist nur noch lächerlich und trieft von gnadenloser Dummheit, was diese Moralisten von sich geben.
Was war passiert?
Wer im nordrhein-westfälischen Ferienpark “Wilhelmsruh” nahe dem Möhnesee in “Fränkis Hütte” einkehrt, kann nicht nur seinen Hunger stillen, sondern neuerdings auch etwas über die aktuellen Grenzen des gesellschaftlich Erlaubten lernen. Auf der Speisekarte finden sich Gerichte mit Namen wie „Die scharfe Kathi“, „Die flotte Hannah“ oder „Die wilde Johanna“. Dazu kommt eine Empfehlung für den Gargrad eines Steaks: Männer mögen es blutig, Frauen rosa und „Memmen“ durchgebraten. Was das Wirtspaar Steffi und Frank als augenzwinkernde Unterhaltung seiner Gäste verstanden wissen wollte, wurde in diesem deutschen Herbst tatsächlich zum Gegenstand einer öffentlichen Auseinandersetzung. Ein Beschwerdeführer beanstandete die geschlechtsspezifische Zuordnung der Garstufen als überholt, weitere Kritik entzündete sich an den vermeintlich “sexistischen” Speisenamen. Negative Google-Bewertungen und eine überregionale Berichterstattung selbst bei RTL folgten. Die Wirtin Stefanie Treß hielt an ihrer Karte fest und ärgerte sich über Rezensionen von Menschen, die nach ihrer Darstellung niemals als Gäste bei ihr gewesen waren. In der Kommentarspalte des “Münchner Merkur” wiederum überwog die Solidarität mit dem Paar. Viele Leser beklagten eine zunehmende Humorlosigkeit, andere sahen darin ein weiteres Beispiel gesellschaftlicher Bevormundung. Innerhalb weniger Stunden kamen Hunderte Kommentare zusammen.
Der Witz als Verdachtsfall
Humor ist seinem Wesen nach eine Übertretung. Er lebt von Übertreibung, Verkehrung, Doppeldeutigkeit, unerwarteten Assoziationen und der vorübergehenden Missachtung gesellschaftlicher Konventionen. Wer einen Witz macht, verlässt für einen Augenblick den Bereich der buchstäblichen Rede. Er behauptet etwas, ohne es im gewöhnlichen Sinne zu meinen. Er vergrößert menschliche Schwächen, um sie sichtbar und erträglich zu machen. Genau darin liegt seine befreiende Kraft. Die gegenwärtige Empfindlichkeitskultur behandelt diese Freiheit zunehmend als Problem. Sie nimmt den Wortlaut eines Scherzes, löst ihn aus seiner sozialen Situation und unterzieht ihn einer moralischen Prüfung. Eine Zweideutigkeit wird dann nicht mehr als Zweideutigkeit verstanden, sondern als versteckte Aussage über gesellschaftliche Machtverhältnisse. Eine stereotype Figur gilt nicht mehr als komische Überzeichnung, sondern als Beleg eines diskriminierenden Menschenbildes.
So verwandelt sich die Sprache der Geselligkeit in Material für Anklagen. Die resolute Ehefrau, der eingebildete Macho, der unbeholfene Liebhaber, die schlagfertige Kellnerin und eben auch die männliche „Memme“ bevölkern seit Generationen die volkstümliche Komik. Ihre Figuren sind überzeichnet, weil ihre Schwächen allgemein erkennbar sind. Niemand benötigt eine soziologische Untersuchung, um zu verstehen, dass eine Witzfigur kein repräsentatives Menschenbild verkörpert. Erst eine Kultur, die jeden sprachlichen Ausdruck unter den Verdacht politischer Absicht stellt, verliert diese Selbstverständlichkeit. Der Witz muss nun erklären, was er eigentlich meint. Er soll nachweisen, dass er keine Stereotype verfestigt, keine Empfindlichkeiten verletzt und keine unerwünschten gesellschaftlichen Vorstellungen transportiert. Damit wird ihm gerade jene Freiheit genommen, aus der seine Komik entsteht.
Der ganz ohne Zensurbehörde stetig verengte Meinungskorridor
Die neue Kontrolle des Sagbaren benötigt keine staatliche Zensur. Sie funktioniert über öffentliche Missbilligung, digitale Empörung und die Erwartung, dass jeder sprachliche Fehltritt gesellschaftliche Folgen haben könnte. Das Overton-Fenster steht noch auf Kipp, in Kürze schließt es sich ganz. Ein Gastwirt muss heute nicht nur überlegen, ob seine Gäste eine Formulierung lustig finden. Er muss einkalkulieren, dass ein Foto seiner Speisekarte außerhalb des Lokals verbreitet, von Menschen ohne Kenntnis der örtlichen Atmosphäre bewertet und zum Gegenstand einer öffentlichen Kontroverse gemacht wird. Der entscheidende Vorgang besteht in der Herauslösung aus dem Zusammenhang. Eine Bemerkung, die innerhalb einer bestimmten Geselligkeit als harmloser Scherz verstanden wird, erscheint plötzlich vor einem anonymen Publikum, das sie ausschließlich nach abstrakten moralischen Maßstäben beurteilt. Das Internet macht aus einer örtlichen Albernheit einen überregionalen Gesinnungstest. Damit entsteht ein Meinungskorridor, der nicht durch Gesetze, sondern durch Unsicherheit begrenzt wird. Wer nicht weiß, welche Äußerung morgen als sexistisch, diskriminierend oder unsensibel gelten könnte, vermeidet vorsichtshalber alles, was sich missverstehen lässt.
Was sind die Folgen?
Die Folge ist nicht größere Höflichkeit, sondern eine zunehmende Verarmung öffentlicher Rede. Spontaneität wird durch Vorsicht ersetzt, Schlagfertigkeit durch Absicherung, volkstümliche Derbheit durch die sterile Sprache institutioneller Unangreifbarkeit. Gerade kleine Unternehmen sind dafür anfällig. Der Gastwirt besitzt keine Kommunikationsabteilung, die seine Scherze vorab auf mögliche Empörungspotenziale untersucht. Er hat Gäste zu bewirten, Mitarbeiter zu bezahlen und einen Betrieb zu führen. Wenn bereits eine alberne Speisekarte ausreicht, um ihm öffentlich problematische Geschlechterbilder vorzuwerfen, entsteht ein Anpassungsdruck, der weit über den konkreten Anlass hinausreicht. Die entscheidende Macht liegt dann bei jenen, die festlegen, welche Lesart einer Äußerung gesellschaftlich verbindlich werden soll. Was sich bei Dieter Nuhr, Uwe Steimle oder Lisa Eckart seit Jahren im Großen manifestiert, trifft jetzt auch den kleinen Imbiss.
Thomas Hartung geht in seinem Artikel, den ich hier nur verkürzt wiedergebe noch weiter. Es ist hochinteressant ihn ganz zu lesen. Sie finden ihn hinter diesem Link.
Weitere Überschriften im Artikel von Thomas Hartung
- Die neue Prüderie im Gewand des Fortschritts
- Die Geschlechterfrage als Dauerverhandlung
- Das Lachen als Gegenmacht
- Die Freiheit zur Geschmacklosigkeit
Dieser Artikel zeigt uns, wie sehr Minderheiten in Deutschland die Macht übernommen haben und wie sehr sie die Mehrheit mit Vorschriften knebeln.
Wie lange wollen sich die Deutschen das noch gefallen lassen? Das ist die Frage!
In diesem Sinne!
Mit lieben Grüßen aus meiner Wahlheimat SpanienIhr Rainer Andreas Seemann